Nach meiner kleinen Einführung letzte Woche, geht es nun wie angekündigt weiter mit der Macht der Perspektive! Bildkomposition ist der erste wichtige Punkt, der ein Bild entweder zu einem Augenschmaus oder einem belanglosen Schnappschuss werden lässt. Auf den ersten Blick (im wahrsten Sinne des Wortes, hah) vielleicht unbedeutend, aber die Aufteilung eines Bildes entscheidet zu 70% ob mir ein Bild gefällt oder nicht. Zweiter entscheidender und nicht minder wichtiger Punkt ist die Perspektive aus welcher ihr euer Model fotografiert. Auch die Körperhaltung ist hier ein ganz wichtiges Thema. Auf was ihr alles achten müsst und welche riesigen Unterschiede ihr erzielen könnt, erkläre ich heute und untermale das Ganze natürlich gern mit ein paar Bildbeispielen.

 

Bildsprache – Die richtige Bildaufteilung

 

Klar, jeder hat es irgendwie schon mal gehört und es mag abgedroschen klingen, aber der sogenannte goldene Schnitt ist tatsächlich das Allzweck-Zaubermittelchen für so ziemlich jedes Bild und macht den kleinen, aber wirklich sehr wichtigen Unterschied. Zu allererst wollen wir aber mal klären:

Was genau ist denn eigentlich der goldene Schnitt?

Die Frage ist doch: Wieso schaut man das eine Bild wesentlich lieber an als das andere, obwohl qualitativ kein merklicher Unterschied besteht? Ein Phänomen, das man nur schwer erklären kann, dabei gibt es eine ganz einfache Lösung: Das Zauberwort heißt „goldener Schnitt“. Nein, das ist kein James Bond Bösewicht, sondern so etwas wie eine Formel, die die perfekte Bildaufteilung festlegt. Der goldene Schnitt besteht aus einem 1/3 und 2/3 Verhältnis. Das Raster eurer Kamera kann hierbei tatsächlich sehr helfen, denn es zeigt euch die passenden Schnittpunkte perfekt auf. Vereinfacht sieht die Aufteilung erst mal so aus.

Grafik-goldener-Schnitt

 

Und so in etwa seht ihr es in eurem Kameraraster.

 

goldener-schnitt-raster-grafik

 

Um es noch einfacher zu sagen: Euer abgelichtetes Objekt sollte einfach immer ein Stück versetzt zur Mitte und nie ganz mittig aufgenommen werden. Probiert es mal aus, der Unterschied ist wirklich enorm. (Für die Klugscheißer unter euch: Das exakte Bildverhältnis der Strecke a zur Strecke b beträgt übrigens 61,8% zu 38,2% und das Ganze lässt sich natürlich sowohl horizontal wie auch vertikal anwenden)

 

 

 

Perspektive und Körperhaltung

Ein sehr wichtiger Part und für mich der Unterschied zwischen einem guten Fotografen und einem, der es nur als Hobby macht. Ich möchte hier weder jemandem zu Nahe treten noch irgendwen beleidigen, aber für mich gehört das Achten auf seine Models unbedingt mit zu einem professionellen Shooting- und ich weihe euch ein! Oft sehe ich Bilder und frage mich, ob der Fotograf nicht gesehen hat, dass diese wirklich schöne, schlanke Frau einfach unmöglich unvorteilhaft getroffen ist und ihr zarter Arm wie eine dicke Bockwurst aussieht. Fakt ist nämlich: Jeder Mensch, egal ob Heidi Klum, du oder ich, kann, aus einem ungünstigen Winkel fotografiert, so schlimm aussehen, dass nicht einmal eure eigene Mutter etwas Schönes an dem Bild finden könnte, und ihr wisst ja, Mama findet euch IMMER schön. Ich verspreche euch aber, JEDER kann toll auf einem Foto aussehen, man muss nur wissen, wie.

Um das ganze Mal zu verdeutlichen, habe ich hier ein kleines Fotobeispiel für euch, die Fotos sind nicht gephotoshoppt oder bearbeitet. Hier seht ihr mal, was Körperhaltung für einen Unterschied machen kann. (Und Bevor sich wieder jemand aufregt: Ja, ich weiß, dass ich auch auf dem linken Bild nicht dick bin, aber auch die größten Kritiker unter euch müssen zugeben, dass das zweite Bild einfach vorteilhafter ist)

 

Beispielfotos-perspektive-und-körperhaltung

 

 

Der wichtigste Tipp, den ich euch nun geben kann, ist: Schaut genau hin. Hä? Das ist der tolle Tipp? Klingt erst mal zu einfach, aber genau das ist der springende Punkt. Gerade am Anfang ist man damit beschäftigt auf Licht, Schärfe, vorbeifahrende Schaulustige, fliegende Untertassen und was einen nicht sonst noch so ablenken kann zu achten, dass das wichtigste am Bild manchmal in Vergessenheit gerät: Euer Model. Klärt vorher ab, ob derjenige eine Schoko-Seite hat, von welcher er sich am Besten gefällt. Fotografiert ihr euer Model beharrlich von der „falschen“ Seite, könnt ihr am Ende noch so tolle Fotos geschossen haben, derjenige wird die Fotos nie mögen. Behaltet beim Fotografieren auch immer den ganzen Körper eures Models im Blick. Wie sitzen die Haare, wirft das Licht vielleicht ungünstige Schatten auf Gesicht oder Haut, ist ein Rücken zu krumm und lässt die Person massiger erscheinen als sie ist? Liegt der Arm eng am Körper und wird so breiter gedrückt als er es in Wirklichkeit ist? Alles wichtige Aspekte, die im ersten Moment vielleicht zu viel auf einmal klingen mögen, aber ich verspreche, mit der Zeit kommt das Gefühl hierfür ganz automatisch und ihr werdet diese Dinge sehen, ohne überhaupt noch darüber nachdenken zu müssen.

 

Folie1

Die Checkliste kannst du dir auch noch einmal hier kostenlos herunterladen.

 

 

Abschließend kann ich sagen, dass das alles Erfahrungswerte sind und am Anfang viele „Fehler“ passieren. Wer ein gutes Auge und ein Gefühl dafür hat, wird diese dann spätestens beim Durchsehen der Fotos bemerken und beim nächsten Mal darauf achten. Je mehr man übt, umso mehr automatisieren sich diese Vorgänge und werden irgendwann ganz in eure Routine übergehen. Auch, wenn es für das Model in dem Moment vielleicht schwieriger ist, sich auf einige Dinge, auf die ihr hinweist, zu konzentrieren, im Nachhinein wird euch wirklich jeder dankbar sein und sich niemand fragen, wieso ihr bestimmte Sachen nicht gesehen habt. Es gibt dem Model Sicherheit zu merken, dass ihr darauf achtet, was gut aussieht und eben auch, was nicht.

Ich wünsche euch jetzt ganz viel Spaß beim Fotografieren und berichtet mir doch mal, ob ihr vielleicht schon einige meiner Tipps anwenden konntet und wie ihr diesen Beitrag findet. Wünscht ihr euch vielleicht auch noch andere Beiträge zu diesem oder einem bestimmten Thema? Ich freu mich auf eure Anregungen!

 

 

 

 

 

 

 

 

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1 Kommentar

Wie immer übersichtlicher und deutlicher als jede Vorlesung, die man dazu bekommen kann! 🙂 🙂 … was mich jedes Mal wahnsinnig freut, weil ich nach dem einzigen Fotografie-Kurs, den ich je aufgenommen habe, so schlau war wie vorher … (Zum Glück — und zu meiner Verteidigung — kann ich gut und gerne behaupten, dass das inzwischen J-A-H-R-E her ist.)
Was schön wäre: Schreib bitte über die *Blaue Stunde* und „die Sterne über uns“ — bevor auf den ersten mondsüchtigen Bildern deiner verzweifelten Nachahmer Fluss und Bäume eine Einheit bilden. 😉
Liebe Grüße!

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