Die Temperaturen steigen, der Sommer naht. Grund zur Freude- oder eher zur Panik? Alljährlich versetzt Frauen auf der ganzen Welt der erste warme Tag im Jahr in pure Angstzustände. Sommerzeit heißt –Bikinizeit. Der Sommer kommt aber auch jedes Jahr so plötzlich! Wer hätte denn damit rechnen können, dass man sich nach Weihnachten irgendwann wieder brauchfrei präsentieren muss? Bauch-voll wäre da wesentlich leichter. Während halb Instagram, Twitter und ganz Hollywood sich in ganzjähriger Disziplin üben und brav am Selleriestängchen nagen und jeden Tag mit ihrer #fitnessroutine beginnen, gehöre ich eher zu den standhaften Sportverweigerern. Das wunderbar erleichternde Gefühl, welches man angeblich nach einer erfolgreichen Sportsession bekommen soll, bleibt aus. Das einzige was mir durch den Kopf geht, sobald ich endlich LIEGE ist „ Sterben…ich möchte sterben und nie mehr aufstehen! Nie mehr bewegen“.

 

Gesundes Essen mag ich glücklicherweise eigentlich sehr gern, aber Schokolade, Gummibärchen, Kekse und Burger eben auch. Bin ich also dazu verdammt als ewiger Mops den Strand entlang zu flanieren, gestraft von den anklagenden Blicken meiner super skinny Mitmenschen? Die guten Gene halten mich Gott sei Dank noch ganz gut über Wasser, aber auch das war schon mal anders. Wenn ich glücklich bin, dann esse ich. Wenn ich traurig bin, geht nichts rein. Als ich frisch mit meinem Schnu zusammen war, ging es mir sehr gut ( Natürlich auch jetzt noch, allerdings bin ich mittlerweile dahinter gekommen, dass es nicht die beste Idee ist, genausoviel zu essen wie ein Mann, der von Grund auf schon das doppelte von einem selbst wiegt und mal Profisportler war). Ergebnis meiner  glückseligen Schlemmerei waren zu kleine Hosen die nicht mehr über meinen Po gepasst haben, ein Doppelkinn und viele, wenn auch kurze, länger wollte man es nicht sehen, unglückliche Momente vorm Spiegel. Der Moment, in dem mich eine ehemalige Arbeitskollegin dann fragte, ob ich nicht zufällig schwanger sei, war ein fieser Schlag zwischen Bauchspeck und Selbstbewusstsein. Aber wer bestimmt eigentlich, was schön, schlank und sexy ist? Wenn ich bedenke, dass mein Dilemma darin bestand nicht mehr in Hosengröße 24 oder 25, sondern nur noch 26 zu passen und ich keine 34 sondern 36 kaufen konnte, frage ich mich, bitte verzeiht, wer uns allen ins Hirn geschissen hat. Mir inklusive versteht sich. Sollten Frauen nicht Frauen sein dürfen? Mit Po, Brüsten, Hüftspeck, einem Bauch der sagt „Ich bin glücklich“, Cellulite und einem Doppelkinn das bei bestimmter Bewegung auch mal verdoppelt wird? Sonst ist mehr doch auch immer mehr, wieso also nicht, wenn es um unsere Figur geht? Zeitungen, Medien, das Internet verstrahlen uns jeden Tag mit superdünnen und riesengroßen Frauen und was machen wir? Wir vergleichen. Allen Ernstes schaue ich mir eine Frau an, die mindestens 10cm größer ist als ich und wundere mich, wieso ihre Beine so schön lang sind und meine nicht. Schlimm ist, dass so viel gar nicht echt ist und ich es eigentlich so viel besser wissen müsste. Als Fotografin habe ich jahrelang selber nichts anderes gemacht als täglich Frauen in Posen zu stellen um sie noch schlanker aussehen zu lassen und wenn das nicht geholfen hat, hat es Photoshop schon gerichtet. So viel Schein und wir alle mittendrin. Fakt ist doch, gesund ist wichtig. Glücklich sein. Dankbar für das, was man hat. Auch den Bauchspeck, die Delle am Po, die dicken Bäckchen. Es gibt da draußen jemanden, der genau das an dir liebt und im Idealfall, bist du das selber. Ich schaffe das auch nicht immer, aber ich arbeite daran. Jetzt auch, indem ich die ganze Tüte Gummibärchen vor mir vernichte. Ohne schlechtes Gewissen.

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8 comments

Liebe Caro,

oh nein! Das nehme ich mir zu Herzen und werde ganz bald wieder mit der Reihe fortfahren, versprochen!

Liebe Clementine, ich vermisse die Monday Moods 🙁

Recht hat sie 🙂

Oder wie meine Freundin immer sagt: „ist doch egal, ob später mal 300 oder 400 Gramm Asche in der Urne sind“

Liebe Christin,
danke für deinen Kommentar, genau darum ging es eigentlich in dem Post, dass jede Frau, mich unklusive, egal wie schlank sie ist, eingetrichtert bekommt, sie müsste NOCH schlanker sein. Größenangabe fand ich in diesem Zusammenhang wichtig, genau weil es eben lächerlich ist, dass man plötzlich der Meinung ist nicht mehr dünn zu sein, obwohl 90% von uns ganz weit weg sind, von zu dick. Wir sind ALLE schön sind, egal welche Größe.
Liebe Grüße
Clementine

Eine sehr schlanke Frau, die plötzlich nur noch schlank ist, und dann von Speck spricht. Natürlich nebst Größenangaben, damit bloß niemand denkt, du könntest etwa – Schreck, Horror! – Größe 40 tragen. Danke, ich habe herzhaft gelacht.

Liebe Anna,

wie immer eine wahre Freude, deinen Kommentar zum Thema zu lesen! Ich danke dir, vor allem fürs Amusement 😀

Liebe Clementine,
DANKE, dass du genau das Thema so angenehm deutlich formulierst. (You made my day!!)
Ähnliches, sehr Ähnliches denke ich, wenn ich *einmal* natürlich nur aus Spaß und langer Weile im ansonsten FREIberuflichen Leben „Germanys next top model“ (…Sind die Schnuckis eigentlich echt und wie echt ist überhaupt Heidi selbst??…) genüsslich auf dem Teppich sitzend und am weißen IKEA-Sofa lehnend anschaue. Man muss sich ja schließlich mal kurz entspannen … um sich hinterher alles andere als kurz zu ärgern, warum man den … äh … belanglosen … äh hochwertigen … äh deutlich überschätzten KOSMOPOLITISCHEN Sch…ei…ß überhaupt ansehen musste. – Man hätte in der Zeit natürlich auch in den Clara-Park stürzen 😉 können, um sich dort schön abzuschwitzen und mit sich im Reinen zu sein. Sagen viele. Tun wenige. Und noch mehr lügen.
Um den inhaltlichen Bogen zu finden: Ich bin dir sehr, sehr dankbar dafür, dass du sämtliche schicken und immer wieder ganz aktuellen Gesundheits- und Ernährungsberater, die sich in jedem mehretagigen Buchladen nur so stapeln, damit jede Frau im Frühling weiß, was sie zwischen Weihnachten und „bis jetzt“ falsch gemacht hat, für alle sichtbar „über den Haufen wirfst“.
Denn das tut nicht jeder.

Fühl dich verstanden!

Anna E

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