Zugegeben, ich war ganz schön zuversichtlich, was mein unspektakuläres Leben betrifft, als ich mir vorgenommen habe, jede Woche ein Review über genau dieses zu schreiben. Da letzte Woche außer Arbeiten, Arbeiten und ehm..ach ja Arbeiten nicht viel passiert ist, greife ich heute in die Tiefen meiner Trickkiste und schreibe einfach über ein Thema, das mich im Moment beschäftigt und hoffe, auf Gleichgesinnte zu treffen.

Wann sind wir eigentlich erwachsen geworden?
Ja, diese Frage stellt sich mir in letzter Zeit immer regelmäßiger. Leise schleicht sie sich an, wenn ich bei H&M an der Kasse stehe, vor mir eine Gruppe Jugendlicher,die ich gefühlsmäßig gar nicht soo viel jünger als mich eingeschätzt hätte, aber deren Gespräch ich leider nicht zu Ende belauschen kann, weil ich immer noch damit beschäftigt bin, mich zu fragen, was ein „Alpha-Kevin“ ist und sich vor meinem inneren Auge langsam das Bild der gesamten Gruppe bei einer unserer überfüllten Familienfeiern bildet, da die Kids vor mir anscheinend „alles und jeden feiern“. Während ich mir also noch immer den „Alpha-Kevin“ vor mir an Oma Christas Kaffee-Tafel vorstelle, klingelt mein Handy, denn ich habe eine neue Facebook Benachrichtigung. Eine meiner ehemaligen Klassenkameradinnen hat ihr Kind bekommen und 3 weitere sind schwanger. Unwillkürlich bekomme ich dieses Gefühl, eine Mischung aus Entrüstung und leichtem Wohlgefallen über die Sensation, das ich auch habe, wenn ich so pädagogische und intelligenzfördernde Serien wie „Teenie-Mütter“ oder „16, ausbildungslos und schwanger“ gucke. Ok, letztere gibt es glaub ich nicht einmal, aber ihr wisst, was ich meine. Ich bin schockiert und doch amüsiert, bis mir wieder einfällt, dass wir ja gar nicht mehr 16 sind und noch schockierter, als mir bewusst wird, dass daran mit Mitte 20 wirklich nichts Schockierendes mehr zu finden ist. Nur wann um Himmels Willen sind wir denn bloß erwachsen geworden? Langsam fürchte ich, dass ich mich auch noch mit 40 nicht wirklich erwachsen fühlen werden.

Die Tücken des Erwachsenwerdens
Trotzdem finde ich, dass es nicht meine Schuld ist, dass ich den Zug nach „Grown-Up-Town“ irgendwie verpasst habe. Mit 16 schien 24 so weit entfernt, und ich dachte, ich bin dann längst verheiratet, habe mindestens 2 Kinder und bin auch sonst gänzlich im Kosmos der Erwachsenen angekommen. Und jetzt? Tja, ich liebe immer noch die selben Disneyfilme wie vor 10 Jahren, Kinder habe ich noch nicht, nen Ring am Finger auch nicht und meinen Ausweis muss ich an der Supermarktkasse auch noch vorzeigen, wenn ich Alkohol für meinen Freund mitbringen soll. Wer hätte denn ahnen können, dass 8 Jahre SO schnell umgehen? Statt also Windeln zu wechseln, bin ich damit beschäftigt rauszufinden, was man alles bezahlen muss, um nicht aus Versehen ins Gefängnis zu kommen wegen irgendeiner Hinterziehung oder Unterschlagung  ( Das ist übrigens immer meine größte Angst gewesen, bevor ich ausgezogen bin: Ins Gefängnis zu kommen, weil ich irgendwas nicht bezahlt habe – nicht weil ich nicht wollte, sondern weil ich einfach nicht wusste, dass man es bezahlen muss!).

Erwachsen sein hat auch Vorteile
Ja, das Leben war irgendwie ruhiger, als die einzigen Probleme, die man hatte, daraus bestanden, ob man für die anstehende Klausur gelernt hat und ob die blöde Kuh aus der Parallel-Klasse einem den schicken, neuen Pullover „nachgekauft hat“. Aber dennoch, groß sein fetzt doch irgendwie schon ganz schön. Ich liebe meine Arbeit, die Möglichkeiten, die sich einem plötzlich eröffnen, und auch, dass ich niemanden mehr fragen muss, wenn ich bei einer Freundin übernachten will. Man muss zwar an ganz schön viel denken, um nicht verhaftet zu werden, aber diese Gefahren des Alltags nehme ich gern in Kauf, denn ganz eigentlich, und das merke ich gerade beim Schreiben, bin ich doch echt gern erwachsen ( Naja, oder was auch immer ich jetzt bin).

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4 comments

Liebe Caro,

ach, es ist immer wieder wunderbar erue Kommentare zu lesen, ich freue mich jedes Mal so sehr! Bin ich aber froh, dass es außer mir noch anderen so geht und ich nicht alleine bin mit diesem komischen Zwischendrin Ding!
Und als letztes noch tausend Dank für das größte Kompliment zu meinen Witzen, hah, du kannst dir sicher vorstellen, dass mich das am Meisten freut 😉
Fühl dich gedrückt
Clementine

Liebe Clementine,
ich bin schon seit vielen Monaten eine treue Leserin deines Blogs, weil du einfach so herrlich erfrischend und realitätsnah (!) schreibst. Außerdem werde ich immer so wunderbar unterhalten – dein Humor ist schlichtweg großartig 😀

Und oh ja… wie froh ich bin, dass es nicht nur mir so geht!!! Jedes Mal, wenn ich erfahre, dass alte Schulkameradinnen schwanger sind, jemand geheiratet hat oder sich gerade ein Eigenheim gebaut wird, bin ich erst einmal völlig entsetzt und verstehe kurze Zeit die Welt nicht mehr… Wo das doch mit Anfang/Mitte 20 durchaus kein Unding ist. Denen fühle ich mich aber genauso weit weg wie den Teenies an der H&M-Kasse. Heeelp 😀

Liebe Jule,

Kommentare wie deine sind der Grund, wieso ich den ganzen Quatsch hier mache! Ich danke dir von Herzen fürs Gedankenteilen und bin glücklich, dass ich nicht alleine bin mit diesem seltsamen „Irgendwas-Dazwischen-Gefühl“
Ganz viele Küsse
Clementine xx

oh je, wie ich mich in deinen worten wiederfinde. immer, wenn ich höre, dass einer meiner ehemaligen mitschüler verlobt, verheiratet oder schwanger ist oder sogar schon das zweite kind erwartet, denke ich mir: „waaas? jetzt schon?“, bis mir dann wieder einfällt, dass es rein gesellschaftlich ein adäquates alter für solche entwicklungen ist.
ich muss auch schauen, was ich alles zahlen muss, interessiere mich für politik und reisen und meckere ganz spießig kinder auf der straße an, wenn ich finde, dass sie sich schlecht verhalten.
auf der anderen seite sitze ich hier – etwa wie vor 10 jahren- esse schokolade, schaue youtube-videos, lese deinen blog und schiebe das schreiben meiner letzten hausarbeit im studium möglichst weit hinaus, damit ich am ende gefühlte 5 min zeit habe, um 20 seiten zu schreiben und zu drucken. daran hat sich nichts geändert.
einerseits fühle ich mich irgendwie noch nicht richtig „angekommen“, andererseits bin ich sehr froh, dass die vorstellungen vom erwachsensein, die ich früher hatte, sich nicht bewahrheitet haben. und disneyfilme sind nun einmal die besten 🙂

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