Wenn man frischgebackene Mama ist, scheint es irgendwie 2 essentielle Fragen zu geben, die jeden Besucher des neuen Gangmitglieds brennend interessieren. Nummer eins auf der Bestenliste der gefürchteten Fragen: „ Na, wie klappts mit dem Stillen?“ dicht gefolgt von „ Und, schläft er schön durch?“. Schlimm genug, dass meistens beides natürlich nicht der Fall ist, man ist nun auch noch genötigt zu erklären, wieso aus Brust Nummer 1 trotz hartnäckigen Melkversuchen einfach kein Tröpfchen rauskommen mag während Brust Nummer 2 den ewigen Brunnen zu spielen scheint und bei jeder passenden und vor allem unpassendes Gelegenheit das Feuer eröffnet. Es ist schon faszinierend zu was man fähig wird, sobald man Mama ist. Ich bin ganz ehrlich, ich bin ein Langschläfer und allein die Aussicht auf einen um 8h klingelnden Wecker hat bei mir Pre-Carli mittelschwere Schweißausbrüche verursacht. Hah, was war ich naseweis und unwissend welch großes Geschenk eine durchgeschlafene Nacht bedeutet, möge sie auch „nur“ 8h lang gewesen sein.

Inzwischen ist Carlson also ziemlich genau ein dreiviertel Jahr alt – kurzer Schluchz-Moment für mich bitte, wann ist das Kind denn so groß geworden?! – und vom Durchschlafen soweit entfernt, dass ich es nicht mal irgendwo ganz da hinten in der Ferne erkennen kann. Währen wir die ersten zwei Monate daran gearbeitet haben unser Kind davon zu überzeugen, dass es sehr wohl sowas wie einen Tages- und Nacht-Rhythmus gibt und Brabbel-Konzerte nachts um 3 zwar wirklich wahnsinnig hinreißend und niedlich sind, aber so ein paar Stunden Schlaf auf der anderen Seite auch gar nicht mal soo übel sind, wurden wir dann einige Wochen später tatsächlich belohnt. Nicht nur das Aussehen, sondern auch Essgewohnheiten scheinen vererbbar zu sein. Zumindest sieht Carlson nicht nur ganz verdächtig wie sein Papa aus, seinen Appetit hat er definitiv auch geerbt. Anfangs musste ich also tagsüber wie auch nachts fast stündlich die Milchbar eröffnen. Auf den Tag genau mit 3 Monate schien unser neues Familienmitglied allerdings doch langsam Mitleid mit seiner inzwischen ziemlich übernächtigten Mama zu haben und schlief prompt das erste mal 8h am Stück, nachdem wir Wochen verbracht haben, in denen er ausschließlich auf mir schlafen konnte. Ihr könnt euch vorstellen, wie ich nachts um 3 hochgeschreckt bin weil es schon sehr lang sehr verdächtig still neben mir war. Carli schlief tief und fest. Dieses Traum-Szenario hielt exakt einen Monat. Ich habe ihn gegen 18:30 bettfertig gemacht und gegen 7 schlief das gute Kind tief und fest und wurde nicht mehr wach bis er gegen 3h das erste mal trinken wollte. Mit 4 Monaten war dieser nächtliche Traum leider Geschichte, denn, wahrscheinlich zeitgleich mit einem Entwicklungssprung, wollte Carlson nachts wieder stündlich trinken. Das ganze zog sich in etwa 3 Wochen. Es wurde zwar besser, allerdings haben wir seitdem keine Nacht gehabt, in der er länger als 3h am Stück geschlafen hat. Daher bin ich sehr froh, dass wir ihn nach wie vor mit bei uns im Schlafzimmer haben. Inwischen ist er zwar aus seinem Beistellbettchen herausgewachsen, das Sleepi von Stokke ist aber eine echt super Alternative. Auch, wenn ich wirklich ziemlich müde bin, nehme ich es wie es kommt und versuche, so gut es geht auf seine Bedürfnisse einzugehen und so viel wie möglich durch Nähe und Anwesenheit für ihn einfacher zu machen. Außerdem haben wir jeden Abend die gleiche Routine und ich habe das Gefühl, dass zumindest das Einschlafen dadurch nie ein Problem bei uns ist. Aktuell macht Carlson noch 2 Mittagsschläfchen am Tag. Er wird zwischen 7:30 und 8:30 wach (zumindest das hat er von mir, wenn ich immer wieder von anderen Mamas lese, die zu so unchristlichen Zeiten wie 6 oder gar 5h aus dem Bett geschmissen werden, haben wir hier einen echten Jackpot!) und macht dann zwischen 11 und 12 seinen ersten Mittagsschlaf, meistens eine Stunde in etwa und schläft dann gegen 15h auch noch mal in etwa eine Stunde. Gegen 18:30 bekommt er dann sein Abendbrot und ich bade oder dusche ihn. Ich weiß, den Einmal-in-der-Woche-Baden-weil-sonst-trockene-Haut-Mamas wird jetzt alles aus dem Gesicht fallen, aber ich kann mich erinnern, dass wir früher auch jeden Abend gebadet wurden und geschadet hats sicher keinem von uns. Unsere Gründe dafür sind folgende: Erstens ist es einfach ein schönes Ritual bei dem ich merke, dass es ihm gut tut und er inzwischen genau weiß, wie unser Ablauf abends ist. Der zweite ist, dass Carli eine kleine Kotzboje ist und man als Mama sein Kind natürlich auch noch niedlich und wohlriechend findet, wenn es nach altem Käse-Brötchen riecht, die restliche Umwelt scheint diese Meinung aber aus unerfindlichen Gründen irgendwie nicht zu teilen. Also wird das Kind abends entkäst und gut ist. Einschlafen tut er dann meistens zwischen 19:30 und 20h. Und ab dann geht’s rund. Er schläft die erste halbe bis Stunde tief und fest und wird ab dann leider immer wieder wach. Manchmal sogar für mehrere Stunden, wobei das wohl auch etwas mit den Zähnen zu tun hat, die er im Moment irgendwie in Massenproduktion rauszuhauen scheint. Ihr seht also, ein Geheimrezept für Durchgeschlafene Nächte kann ich euch absolut nicht bieten, nur einen Gedanken, welcher mich durch jede übernächtigte Nacht trägt. In ganz schnell heraneilender Zeit wird er nicht mehr wollen, dass ich ihn in den Schlaf wiege, irgendwann wird er nicht mehr mit bei uns im Bett schlafen wolle und sich wahrscheinlich des nachts in seiner müffelnden Teenager-Höhle mit den heißen Bienchen aus der 10a schreiben und alles lieber wollen, als seine Mama auch nur in der Nähe seines Bettes. Und bis es soweit ist, versuche ich jede Sekunde zu genießen und in mich aufzusaugen, auch , wenn das bedeutete, 2h mit einem 9kg Klöpschen durch die Wohnung zu watscheln, selber dem Schlaf näher als das hellwache Kind auf meinem Arm.

 

Auch interessant

4 comments

Liebe Kathi, ja, das kommt mir auch alles sehr bekannt vor. Und das Problem mit dem fixiert sein haben wir zu 100%. Da Max ihn so gut wie nie ins Bett bringt, schläft er auch nur bei mir ein abends und vor allem nachts, heißt, ich schiebe die Nachtschichten alleine. Sobald Max ihn auf den Arm nimmt ist er hellwach und quitschfidel – wenn Papa da ist kann das ja nur Spaß und Spielen bedeuten! 😀 Ach die kleinen Herren habens schon nicht leicht.. Und wir Mamas erst recht nicht 😉

Schön zu lesen, dass es da, garnicht so weit entfernt, einen kleinen Mann gibt der die Nächte ähnlich unruhig verbringt wie klein Oskar.^^ Mit dem Unterschied, dass Oskar noch nie ein Fan von langen Schlafphasen war.
Wir hatten gleich zu Beginn mit einer 3-Monats-Kolik zu kämpfen die 4 Monate dauerte. Nach vereinzelten Nächten, mit unglaublichen 5 Stunden am Stück, kamen wieder weniger gute. Ein auf und ab. Sicher dem geschuldet, was der kleine Körper alles leisten muss. Ich würde auch unruhig schlafen wenn ich ständig wachse, mein Bauch drückt, die Zähne raus wollen und 1000 nagelneue Eindrücke verarbeitet werden müssen.
Momentan sind die Nächte wieder sehr durchwachsen. Ich habe Ozzy dann direkt neben mir im Bett liegen und da er die Brust mittlerweile selbst findet, lasse ich ihn nachts einfach entscheiden wann die Milchbar geöffnet ist. (Das muss sich aber bald wieder ändern, wir waren nämlich schon bei 2 nächtlichen Stillpausen. Sonst konnte ich ihn so beruhigen.)
Wir haben dadurch auch ein weiteres Problem. Ozzy ist, was das Schlafen angeht, total auf mich fixiert und lässt sich von niemand anderem beruhigen. Kennst du das auch? Oder habt ihr es geschafft Max auch in die Einschlafroutinen zu integrieren?
Lange Rede, kurzer Sinn… wir arbeiten dran.
Falls du doch irgendwann über eine Patentlösung stolperst, sag bescheid.^^

Liebe Alexandra,
danke für deinen lieben Kommentar! Das ist immer so schön zu hören, dass irgendwie doch alle Mamas die selben Sorgen und Ängste haben.
Alles Liebe für dich und die Häschen

Seeeeehr schön und nachvollziehbar geschrieben!
Unsere 2 Kinder haben ein ähnliches Schlafverhalten wie euer Carli. Aber ich habe dieselbe Einstellung und somit kann man das gut aushalten und ,die Nähe die man dadurch ganz viel hat, genießen.
Irgendwann wird man es vermissen. Und die Zeit ist schneller da als man denkt.
Alles Liebe euch weiterhin! Macht weiter so 🙂

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.