Eine Geburt ist ein Thema, mit dem man sich als Mädchen und Frau irgendwie immer auseinander setzt. Zumindest habe ich das. Wie fühlt es sich an, was genau passiert und wie dolle tut es weh? Ich kann mich erinnern, dass ich diese Fragen schon ziemlich früh mit meiner Mama besprochen habe. Gedanklich war ich also vorbereitet. Etwa 2 Wochen nachdem ich erfahren hatte das ich schwanger bin, wurde mir zum ersten Mal so richtig bewusst, dass dieses große, höchstwahrscheinlich doch recht unangenehme Ereignis nun unmittelbar bevorsteht. Ich hatte ein Baby im Bauch und das musste da auch irgendwann wieder raus. Zum ersten Mal wurde mir doch etwas anders bei dem Gedanken, schon bald wohl ziemlich schlimme Schmerzen durchstehen zu müssen, allerdings währte dieser Moment eigentlich nur kurz und so hatte ich bis zum Ende keine Angst vor der Geburt und den Schmerzen. Ich bin recht hart im nehmen und nicht besonders schmerzempfindlich oder wehleidig und war mir ziemlich sicher, das ganze schon zu schaukeln, immerhin bekommt man ja am Ende was dafür. Witzigerweise muss ich im Nachhinein sagen, dass ich mir die Geburt wesentlich weniger schlimm, den ganzen Wochenbettkram dafür umso unangenehmer vorgestellt hatte, es war genau umgekehrt 😉 Aber nun von Anfang. Ich schildere im folgenden Bericht alles ausführlich und ohne Rücksicht auf Verluste, weiterlesen ist also auf eigene Gefahr.

An einem verregneten Maimorgen, dem 4.5. um 6:24 um genau zu sein, bin ich davon aufgewacht, dass mir etwas nasses das Bein herunterlief. “ Or nee, jetzt ist also der Moment gekommen, in dem ich meine Blase nicht mehr halten kann” dachte ich mir und hab mich schleunigst, so schnell man das eben als hochschwangere in Nilpferdmanier kann, aus dem Bett geschwungen. Das kleine Tröpfchen am Bein wurde von einem Schwall von einigen Litern Wassern begleitet sodass mir im Bad angekommen, als ich mir den See, den ich als Spur hinterlassen hatte anschaute, langsam dämmerte, dass es sich hier zwar eindeutig um ein Leck in meiner Blase, allerdings wohl eher in meiner Fruchtblase als in meiner Harnblase handeln musste. Erst mal tief durchatmen, immerhin wars ja auch noch ganz schön früh und ich noch ganz schön müde. Als ich meine Gedanken so halbwegs gesammelt hatte, fand ich es an der Zeit, Max zu dieser äußerst brisanten Situation hinzuzuziehen. Der war, für ganze 5 Minute, die Ruhe selbst. Immerhin hatten wir ja vorher alles minutiös im Geburtsvorbereitungskurs gelernt. Nur 5 Minuten deswegen, da ihm dann, etwas wacher, bewusste wurde, dass es eigentlich noch überhaupt nicht an der Zeit war, dass unser kleiner Schnurpi sich hätte auf den Weg machen müssen. Errechneter Termin war immerhin erst der 28.5.

Nachdem er dann also unter meiner Anleitung und auf der Suche nach Sachen für mich erst mein komplettes Unterwäschefach und dann auch noch den Rest meines Kleiderschranks ausgeräumt und in unserem Schlafzimmer verteilt hatte, war ich, mit 2 Handtüchern in der Hose, bereit um ins Krankenhaus zu fahren. ( So eine Fruchtblase hat aber auch viel Inhalt kann ich euch sagen.. es lief und lief…). Im Krankenhaus angekommen lief alles erst mal relativ entspannt ab, auch, wenn mir natürlich auch nicht ganz wohl dabei war, dass unser kleiner Mann anscheinend genau so ungeduldig wie wir war uns endlich kennenzulernen. Bis dato war übrigens noch keine Wehen in Sicht. Da ich eine Gerinnungsstörung habe, kam für mich nur die Uni Klinik in Leipzig für meine Entbindung in Frage, da ich hier auch schon vorher in Behandlung war und die Ärzte mich in meiner Schwangerschaft begleitet haben. Und so wurde ich also erst mal durchgecheckt, Schnurpi vermessen ( “ Lange Beine hat er, es könnten 50cm werden” – am Ende waren es stolze 52,5 cm und 3690g, ich bin gar nicht soo böse, dass er nicht bis zum Ende durchgehalten hat, wo hätte er denn noch hinwachsen wollen??! ) und auch sonst der Stand der Dinge abgeklärt. Da ich nach wie vor keine Wehen hatte und mein Muttermund bombenfest zu sitzen schien, mussten wir uns also in Geduld üben. Meine Mama kam vorbei, brachte Schnittchen und blieb bei mir während Max zu Hause meine Tasche versuchte zu packen, ich war wirklich noch absolut nicht vorbereitet und hatte weder eine Tasche noch sonstiges gepackt. Uns wurde gesagt, dass wir ab dem Zeitpunkt des Blasensprungs 6h warten werden, ob die Wehen von alleine einsetzten. Sollte das nicht der Fall sein, müsste eingeleitet werden. Die Zeit verging, die Kekspackungen leerten sich und nichts weiter passierte. Gegen 12h bekam ich also meine erste Tablette die eigentlich gegen Rheuma oder irgendwas was ich mir nicht gemerkt habe helfen soll und ganz nebenbei als Nebenwirkung noch herrlich Wehen auslöst. 5 Minuten später hatte ich regelmäßige Wehen mit 5 Minuten Abstand. Das ging schnell. Ab da kreiste ich mich von Wehe zu Wehe auf meinem Gymnastikball. Das Ganze war unangenehm, aber wie schon vorher von mir erwartet, absolut erträglich ( Hah, noch…). Ich konnte jede Wehe noch sehr gut weg-atmen. Die Schwester die uns betreute war wirklich zauberhaft und ich war dankbar, dass man uns trotzdem viel alleine lies und ich mich so auf mich konzentrieren konnte. Ich glaube es war gegen 17h, als ich die nächste Tablette bekommen habe, insgesamt müssten es 3 sein hatte man uns gesagt. Danach wurden die Wehen zwar doller, aber nach wie vor war alles noch im erträglichen Bereich und eine Badewanne und Wärme haben wir wirklich gut getan, bis ca 20h. Nach nunmehr 8h Wehen wurde das Ganze doch langsam ungemütlich und in mir kam die Frage auf, wie lang genau denn jetzt so eine Geburt noch dauern kann. Da aufgrund meiner Gerinnungsstörung keine PDA in Frage kam ,da hier das Blutungsrisiko zu hoch ist, wusste ich, dass ich bis zum Ende in voller Stärke durchhalten musste und war also eher weniger begeistert, als ich dann wenig später meine letzte Tablette bekam. Ab dem Zeitpunkt verschwimmt meine Erinnerung ein wenig, denn, ich muss es wirklich gestehen, die Schmerzen wurden unerträglich. Es ist glaube ich die Kombination aus unfassbaren Schmerz, den ich im Übrigen als wahnsinniges Brennen empfunden habe, und gegen Ende immer kürzeren Abständen dazwischen sodass man irgendwann das Gefühl eines durchgängigen Schmerzes hat, auch, wenn das natürlich nicht stimmt. Inzwischen hatten wir auch die Schwestern-Nachtschicht erreicht und hier leider nicht ganz so viel Glück wie mit der Tagschicht. Die Hebamme, Überbleibsel aus raueren DDR-Zeiten, war nicht unbedingt meine erste Wahl aber viel Zeit zum Nörgeln hatte ich ja eh nicht und so fügte ich mich meinem Schicksal. Da sich an meinem Muttermund nach wie vor wenig getan hatte, wollte sie mich überreden, mir eine Spritze geben zu lassen, die die Muskeln weicher macht und das ganze etwas in Schwung bringen sollte. Da diese aber wie ein Opiat wirken sollte und ich, die nicht mal Alkohol trinkt und eine Panikattacke hatte als sie das einzige Mal in ihrem Leben betrunken war ( ich habe gern die Kontrolle über meinen Körper und was mit ihm passiert..) lehnte ab. Gegen 24h war ich dann allerdings an einem Punkt angelangt, an dem ich kräftemäßig meinem Ende entgegen sah. Ich wollte 3 Kinder? Hah, ich glaubte nicht, dass ich das jemals noch mal machen würde! Wieder wurde mein Muttermund überprüft und ich wurde mit einer angeblich guten Neuigkeit überrascht. 3 cm war er auf. Als ich auf meine Frage hin, wie weit er denn noch müsste, ein grausames “ na 10cm müssen es schon sein” entgegen geschmettert bekam, hab ich schon meine Lichtlein ausgehen sehen. Wenn das jetzt wirklich in diesem Tempo weitergehen sollte, wusste ich, dass ich das nicht durchhalten würde. Ich war an einem Punkt, an dem mir alles völlig Wurscht war ( Max behauptet nach wie vor, dass es ihn gewundert hat, dass ich das Kreissalbett nicht verbogen habe ..) und ich wollte diese blöde Spritze. Mit einem “ Scheißegal, gebt mir alles was ihr habt!” verlangte ich also nach egal was, hauptsache etwas, was dieses unerträgliche Brennen lindert. Die Spritze wurde gesetzt und tja, was soll ich sagen. 20 Minuten später, am 5.5. um 0:41 war unser kleiner Liebling auf der Welt. Die erste Presswehe überraschte mich völlig aus der kalten, schließlich hatte ich damit noch absolut nicht gerechnet und es fühlte sich für mich so an, als hätte ich dort auf den Tisch geschissen ( verzeiht, aber an einer Geburt ist bis zum tatsächlichen Moment der Geburt wirklich wenig romantisches) was aber anscheinend nicht der Fall war, wie mir Max später berichtet hat. Vielleicht wollte er auch nur dass ich mich etwas besser fühle, wer weiß das schon 😉 Ich wusste überhaupt nicht was da gerade mit mir passiert aber in dem Moment in dem ich Max angesehen habe war mir klar, dass jetzt der Moment da ist, in dem unser Kind auf die Welt kommt. Er hatte schon Tränen in den Augen, da war mir noch überhaupt nicht bewusst, dass es jetzt losgeht, aber ich habe ja in diesem Stadium wie schon vorher berichtet eh irgendwie nur noch die Hälfte mitbekommen. Bei der nächsten Presswehe durfte ich schon ordentlich mit drücken. Ich habe die Presswehen übrigens als absolut nicht mehr schmerzhaft empfunden. Es fühlt sie komisch an aber im Vergleich zu den Schmerzen der Wehen ein Klacks. Viele Freundinnen haben mir berichtet dass es sich für sie eher so angefühlt hätte, als würden sie versuchen, einen riesigen Ball auszuscheißen. Vielleicht liegt es dran wie das Kind liegt, aber ich habe das ganze doch schon sehr präsent da gefühlt, wo es sich auch tatsächlich abgespielt hat. Ich habe es als wahnsinniges Spannen empfunden und so, als hätte ich einen riesigen Truthahn in mir stecken. Nach nur 4 Presswehen war mein Truthahn draußen und, womit ich absolut nicht gerechnet hatte, jeglicher Schmerz weg. Die Intensität der Wehen lässt einen eigentlich vermuten, dass man mindestens noch 3 Wochen lang unerträgliche Schmerzen haben müsste, aber da war nichts mehr. Der Moment, in dem dein Kind draußen ist, ist alles schön. Absolut nichts tut mehr weh und es gibt nichts annähernd vergleichbares was beschreiben könnte wie es sich anfühlt, sein Kind das erste mal in den Armen zu halten. Hatte ich noch eine Stunde vorher gedacht das hier niemals wieder machen zu wollen, dachte ich in diesem Moment “ Lass uns noch 10 Kinder kriegen!”. Die Geburt von Carlson war das wunderschönste Erlebnis in meinem Leben, jede Wehe eingeschlossen. Die Gewissheit, dass man so sehr für sein Kind gekämpft hat und die unendliche Liebe, die man im Übrigen auch mit nichts vergleichen kann und die so anders ist als die, die man zum Beispiel für seinen Mann oder die eigenen Eltern empfindet, sind überwältigend und wären noch einen 1000fach schlimmeren Schmerz wert. Max und ich haben uns noch einmal neu verliebt, das war wirklich mit Abstand der schönste Tag in unserem Leben und das Schönste, was wir Beide bis dahin erlebt haben. Ohne ihn hätte ich das nicht geschafft. Dieser Tag hat alles verändert und auch mit mir so viel gemacht. Man kann es sich vorher wirklich absolut nicht vorstellen, aber eine Geburt ist so ein einschneidendes Erlebnis, nachdem nichts mehr so ist wie es mal war. Ich bin unbeschreiblich dankbar dafür, dass ich das erleben durfte und ich ein gesundes Kind auf die Welt gebracht habe. Mir ging es im Übrigen sofort danach wieder wirklich gut, auch keine Selbstverständlichkeit wie ich von vielen gehört habe, aber ich habe, trotz dass ich gerissen bin und genäht werden musste, keinerlei Probleme hinterher gehabt und habe mich fit und sehr gut gefühlt. Im Krankenhaus waren alle, selbst der Uhrzeit-Drachen, wirklich extrem lieb und wir haben uns sehr gut ausgehoben gefühlt. Abschließend kann ich nur immer wieder sagen: Ja, eine Geburt ist eine extrem schmerzhafte Sache, wenn nicht sogar die schlimmsten Schmerzen die ich je hatte und es stimmt, der Moment, in dem man wahrhaftig denkt, dass man stirbt ist auch der, in dem das Kind auf die Welt kommt. Es ist aber gleichzeitig das wunderschönste Erlebnis auf der Welt und etwas, das ich auf keinen Fall hätte missen wollen. Man ist so stolz und überglücklich wenn man es geschafft hat und sobald man sein Kind im Arm hält weiß man, dass man alle Schmerzen der Welt hätte aufnehmen können, wenn am Ende dieses unendliche Glück auf einen wartet.

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8 comments

Das bedeutet mir so viel, tausend dank!! Ganz bald kommen noch mehr Fotos, dann auch zu dritt ❤️

Oh das freut mich so sehr zu lesen, vor allem, dass ich nicht die einzige bin, die über meine Witze lacht ❤️

Liebe Vanessa, oh da freu ich mich natürlich umso mehr dass ich die erste bin der du einen Kommentar dalässt! Es bedeutet mir so viel wenn es euch Freude macht an und und unserem Leben teilzuhaben, manchmal fühlt es sich komisch an so private Dinge quasi ins leere und unbekannte zu schreiben, so tolle Kommentare wie deiner bestärken mich dann darin weiter zu machen ❤️

Ja oder? Ich glaube auch das ist ein Moment den man nie mehr vergisst ❤️

Ich finde mich absolut in deinem Beitrag wieder. Ganz toll!

Und ich liebe eure Bilder!

Was für ein toller Bericht und schöne Bilder. Ich liebe deine witzig geschriebene Blogposts und vor Allem die Instastories. Euch alles Gute

Liebe Clementine,

ich glaube, ich hab noch nie einen Blogpost kommentiert, muss das jetzt aber schleunigst ändern. Es war so schön, Euren Weg zu begleiten und dieser Post ist so wahnsinnig echt und nah geschrieben, dass er unheimlich berührt. Die Bilder sind übrigens auch wunderschön 🙂

Liebste Grüße und eine weitere tolle, aufregende Zeit zu dritt 🙂
Vanessa

Toller Bericht der mich auch wieder an die Geburt meiner Tochter zurück blicken lässt ❤.
Das eigene Kind ist das absolut beste was einem im Leben passieren kann und wie du schon sagst von jetzt auf gleich sind alle schmerzen weg und es ist einfach dieses erfüllte Gefühl da ❤

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