Junge oder Mädchen? Um diese Frage kreisten in den letzten Monaten ganze Tage, immerhin will man sich ja irgendwie auf das, was da im eigenen Bauch sitzt, wackelt, liegt, schläft und ab und zu auch zu kräftigen Tritten und Schlägen ausholt, einstellen können, oder? Ich kenne einige Paare, die nicht wissen möchten, ob´s nun ein Sohn oder doch eine Tochter wird, aber zu diesen gehören wir ganz entschieden nicht. Und auch ihr wart neugierig und fast noch ungeduldiger als ich, denn schon am 1. Tag, an dem ich bekanntgegeben habe, dass da ein kleines Wunder in meinem Bauch darauf wartet, fertig ausgebrütet zu werden, habe ich unzählige Nachrichten von euch erhalten, mit der Frage, was unser kleines Schnurpselchen nun wird.

 

Ich glaube, jede Frau hat so ein Gefühl, eine Vorahnung und mütterliche Intuition, was da im eigenen Bauch heranwächst. So war es also auch bei mir. Aber nicht nur ich, auch sämtliche Freunde, Bekannte und Familienmitglieder haben sich im orakeln geübt und so sind wir alle auf ein eindeutiges, untrügliches Ergebnis gekommen: Es MUSS ein Mädchen sein. Ganz klar. Und da man uns besonders lange hat zappeln lassen, bis sich unsere Ärztin ihrerseits zu einem Urteil hat breitschlagen lassen, wuchs also die Innere Gewissheit immer mehr, dass da eindeutig eine kleine Dame auf dem Weg ist die nur darauf wartet, von mir in den Schlaf gesunden zu werden. Ihr ahnt es sicher, bei so viel Sicherheit, KANN es nur eine Überraschung gegeben haben und so kam es auch.

 

Hiermit verkünde ich also offiziell, dass wir einen kleinen Jungen erwarten. Ihr könnt euch sicher mein Gesicht vorstellen, als wir dieses Outing mitgeteilt bekommen haben. Mein erster Gedanke „ Au Backe, Pubertät, Stimmbruch, schlechter Einfluss, was kommt da alles auf uns zu?!“

Ich habe lange überlegt ob ich darüber schreiben soll, wie ich mich in diesem Moment gefühlt habe, aber ich glaube, dass es anderen Müttern, die so gänzlich in die falsche Richtung gedacht haben, sicher hilft zu lesen, dass sie nicht alleine mit ihrem Gefühlschaos sind. Ich gebe ganz offen und ehrlich zu, wirklich gefreut habe ich mich im ersten Moment nicht. Mir ging so viel auf einmal durch den Kopf, allem voran, wie mich mein eigenes Gefühl so hatte täuschen können? Die Verbindung zu dem kleinen Pralinchen in meinem Bauch war irgendwie erst mal ein wenig weg. In meiner Vorstellung, schon von klein an, hatte ich mich immer mit einem kleinen Mädchen gesehen, niemals habe ich mir vorgestellt, irgendwann mal einen Sohn bekommen zu können, das lag quasi außerhalb meiner Vorstellungskraft. Und nun war es genauso und ich musste erst mal 25 Jahre an Gedanken und niedlichen Kleidchen über den Haufen werfen. Viel schlimmer allerdings als diese Nachricht waren meine eigenen Gefühle für mich. Ich habe mich einfach schrecklich gefühlt. Enttäuscht von mir selber, vollgeladen mit einer explosiven Mischung aus Hormonen und Emotionen, konnte ich selber nicht fassen, dass ich mich in diesem Moment nicht so recht über mein gesundes, perfektes, wunderbares Kind freuen konnte. Einfach, weil es nicht das war, worauf ich innerlich eingestellt war. Ich war so erschüttert über meine eignen Gedanken, das innere Chaos was diese Nachricht ausgelöst hat, dass mein armer Mann so einige schlimme Stunden mit mir zu überstehen hatte. Im Nachhinein und mit nun etwas Abstand, freue ich mich wahnsinnig auf unseren kleinen Matrosen und alles, was vor uns liegt. Ich glaube ganz fest, dass es schlicht weg normal ist, dass man eine gewissen Vorstellung von dem hat, was da in einem heranwächst und wie die gemeinsame Zukunft aussieht. Wenn diese dann komplett über den Haufen geworfen wird, darf man sich durchaus einen Moment zum Durchatmen geben und sich auf die ganz neue Situation einstellen. Im Übrigen war es zwischendurch kurzzeitig nicht ganz klar, ob unser Schnurpsel vielleicht doch ein Mädchen ist. Da ich mich nun auf einen kleinen Rabauken eingestellt hatte, hat sich diese Änderung des Kurses genauso seltsam angefühlt wie das erste Outing. Beim nächsten Ultraschall tauchte der verschollene aber entscheidenden Teil allerdings wieder auf der Bildfläche auf, es bleibt also dabei, wir bekommen einen wunderbaren Jungen der schon jetzt seinen ganz eigenen Charakter hat, auf Papas Stimme und herzhaftes Essen besonders abfährt und uns jeden Tag überglücklich macht.

 

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7 comments

Nein wie wunderbar und witzig ist das denn! Eigentlich ist das der Kosename den mein Freund und ich uns immer geben, dann haben wir irgendwann angefangen über ein Babyschnu zu sprechen, welches wir uns wünschen, und jetzt freuen wir uns auch wahnsinnig auf unseren kleinen Schnurpsel, ich bin sicher, der Name bleibt auch bei uns erhalten!

Hi unbekannterweise! Bin gerade zufällig über deinen Blog gestolpert. Wir haben unser kleines Wunder während der Schwangerschaft auch Schnurpsel/Schnurpselchen genannt <3 Nun hat die kleine Maus (mittlerweile 6 Monate) zwar einen Namen, aber beim Papa und mir wird sie immernoch liebevoll Schnurpsi genannt.

Viel Freude mit dem kleinen Mann!

Ach nein, ich bin ganz sicher, auch bei dir wird, im Falle eines Falles, das Glpcksgefühl und die Liebe für das eigene kleine Pralinchen im Bauch überwiegen <3 🙂

@Clementine: Hätte ja sein können … GUT für dich!!! 🙂 (Ich hätte vielleicht länger geweint, aber wer weiß … was sein wird, wenn es *mich* dann irgendwann trifft — in natürlich unbekannter Zukunft!)

Sei nicht enttäuscht. Es ist doch herrlich mit einem Jungen anzufangen. Da steigt die Chance dass später die Puppi einen großen Bruder hat. Ich spreche aus Erfahrung und hatte es mir genau so gewünscht. Kinder werden sowieso immer anders als man denkt. Ich habe meiner Tochter die Barbies verweigert weil ich dieses Frauenbild grausig finde und nun ist sie Modedesignerin 😉 und ich bin stolz wie Bolle. Mein früher eher ängstlicher und vorsichtiger Sohn segelt im Februar bei Sturm und Kälte auf der Nordsee herum. Das Leben überrascht uns immer wieder und Kinder sind wunderbare Lehrer für Ihre Eltern. Sei glücklich und lass dich überraschen es bleibt spannend bis ins hohe Alter mit der Brut. Sei lieb gegrüßt von Ina

Wie immer schön geschrieben, aber ganz so dramatisch wars Gefühlsdurcheinander dann doch nicht. Wir lassen uns überraschen und ich freu mich nun umso mehr auf die unbekannten Gefilde 😀

Ich bin ja sonst nicht so sentimental — offiziell — aber ich heule für dich mal mit, weil ich, obwohl ich noch nie Mutter war, sehr gut weiß, was du meinst.
Ich weiß, dass es der süße Traum vom Clara-Park, dem Entenfüttern, dem nassen Herbstlaub und dem Nebel ist, der eine ähnliche Mindestintensität jeder anderen Jahreszeit hat, dicht gefolgt von Sommer – Sonne – leichtes, luftdurchlässiges Blümchenkleid – weißer Strohhut (mit Band!!!) – und mindestens drei Kugeln Eis an der Elster, Frühling und Gänseblümchen natürlich auch und, ja, jetzt die auf Weiteres unerfüllte große Sehnsucht: Mausi, Weihnachten, die Oper, das Kleidchen, und dahinter ich als Mami, weniger sehr als über-repräsentatives Ich. (Eben einfach nochmal alles machen können, was man selbst, irgendwann zwischen null und fünf, bis einem die Schule diese Freiheit nahm, selbst so unbeschreibbar schön fand. – Du hast bestimmt einen lieben Mann, aber verlang von Männern weniger ab, dass das sie „diese Seifenoper“ wirklich innerlichst nachvollziehen können, sie hatten eine andere Kindheit, denn selbst das manchmal dreckbesudeltste Mädchen — da gibt´s Glanzabzüge von mir mit selbst geschaffenem „Body-Painting“ 😉 — liebt die rosanen Blüten oder andere Blumen insgeheim einmal im Jahr über alles und findet sie schön, auch wenn „schön“ sonst nicht so das Argument ist, später, im Erwachsenwerden.)
DAS filmhafte Bild IST DAS GEGENTEIL VON FUSSBALL. Das Gegenteil von dem, was ab Ende Mai auf dich zukommt, das herzlich wenig mit Spitzenstrümpfchen zu tun hat.
Zugegeben: Nicht alle Jungen spielt gottergeben Fußball, manche singen auch, gottergeben, bis die Omis in den ersten Reihen alle Stofftaschentücher nassweinen (…). Damit möchte ich dir nicht — als besonderen Trost — vermitteln, von deinem Kind in der Kieler Bluse zu träumen (das muss, wie alles andere auch, weitestgehend selbst bestimmt sein, der *gewisse Film über eine gewisse Schule* spricht das nur zu gut aus). Vielleicht schreibt der Held auch irgendwann Bücher, das ist mindestens genau so spannend, denn du musst damit rechnen, dass DANN deine ganze Küche förmlichst „abgescant“ wird, nur um früher oder später detailgetreu auf 100 Seiten beschrieben zu werden und du selbst, unter Decknamen, gleich mit, vom Absatz bis zur letzten Haarschuppe. ODER: Er wird Mahler und verhilft der GFZK zu noch nie geahntem Weltruhm. (Dann sei froh, solange deine Wände *weiß* bleiben. … … … ) *WHO KNOWS …???*
Lass dich überraschen und nimm die nächsten 20 Jahre aus Sicht deines Kindes so, wie sie kommen. Es wird, früher oder später, alles gut werden. (Auch, wenn du jetzt gerade im Bett liegst, in den dunkelblauen Himmel über Leipzig blickst und dich fragst, wie denn bitte das funktionieren soll … Es spricht, btw, an sich nichts dagegen, an dem Wünsch des Mädchens festzuhalten, so du mehrere Kinder haben möchtest, auch wenn das natürlich immer wieder ein „Lotto-Spiel“ ist.)

Liebste Grüße und Beileid an die geplatzten Seifenblasenträume unter milder Sonne,

Anna E xx

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